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Die Lehrenden

Die Welt digitalisiert sich, aber die Schule kommt nicht mit. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wenig zeitgemäß Bildung in Österreich abläuft. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen der „digitalen Schule“ geworfen. Welche Probleme hatten Lehrer und Schüler? Und wie sieht die Zukunft aus?
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Der Lockdown kam unerwartet und traf jeden von uns. Ob Warenhändler, Friseurin oder Student - keiner war darauf vorbereitet. Auch nicht unser Bildungssystem. 1,1 Millionen Schüler hatten Mitte März von heute auf morgen keinen regulären Unterricht mehr. Statt in der Schule wurde von zuhause aus digital gelernt und gelehrt. Dabei wurde vor allem eines schwer vermisst: ein einheitlicher Masterplan für die „digitale Schule“. Einzelne Bildungseinrichtungen traf das mit voller Wucht.
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Kommuniziert wurde nicht viel: So sieht die Bilanz der Lehrerinnen und Lehrer nach dem Lockdown aus. „Wenn wir etwas erfahren haben, dann über Pressekonferenzen“, erklärt Julia K., Lehrerin an einer NMS in Wien. Sie fühlte sich während der Corona-Zeit nicht unterstützt. Damit ist sie nicht allein. Laut einer Studie der Universität Wien fühlten sich mehr als 60% der Lehrer durch die Umstellung der Schulen auf Heimunterricht stark belastet. Denn eine einheitliche Lösung gab es beim Lehren auch nach einigen Wochen nicht, jeder Einzelne war auf sich allein gestellt. Das digitale Lernen war von Bundesland zu Bundesland, von Schule zu Schule und sogar von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Probleme ergaben sich dadurch für fast alle Lehrenden:
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Die Schüler

Nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer stellte die Corona-Krise teils eine große Herausforderung dar. Auch Kinder und Jugendliche waren von heute auf morgen mit einer neuen Situation konfrontiert.

Anstatt in der Klasse gemeinsam mit Freundinnen und Freunden zu lernen, haben sie ihre Aufgaben mehr als zwei Monate lang alleine zu Hause erledigt – meist online. Und darin liegt auch schon eines der Probleme, das die Corona-Pandemie aufgezeigt hat: Viele Kinder und Jugendliche haben keinen eigenen Computer oder Laptop zur Verfügung.
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Laut der Studie „Lernen unter Covid-19-Bedingungen“ der Universität Wien sind das etwa 16 Prozent der jungen Lernenden in Österreich. Zudem brauchen gerade schwächere Schülerinnen und Schüler oder solche mit Sprachproblemen eine besonders intensive Betreuung und Unterstützung beim Lernen. Diese bekommen sie in der Familie aber oftmals nicht. Rund jeder oder jede Fünfte ist beim Online Learning auf sich alleine gestellt. Die meisten Lehrkräfte berichten, dass ihren Schülerinnen und Schülern das Lernen zuhause immer wieder Probleme bereitete:
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Während viele Schülerinnen und Schüler gut mit der Situation klarkamen, war sie für andere problematisch. Die Studie „Lernen unter Covid-19-Bedingungen“ der Uni Wien zeigt, dass die Kluft zwischen bildungsschwachen und bildungsstarken Schülern während der Corona-Zeit deutlich auseinander ging.

Schüler konnten nur wenig nachfragen, mündliche Erklärungen fehlten. Bildungspsychologin Julia Holzer, die die Studie gemeinsam mit der Universitätsprofessorin Christiane Spiel durchführte, erklärt, wen die Situation besonders traf:
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Studien wie die der Uni Wien stellen die Erfahrungen von Schülern gesammelt dar. In Form von Prozentzahlen und Diagrammen.

Doch jede Schülerin und jeder Schüler erlebte das Homeschooling anders. Schulart und familiäres Umfeld bilden dabei nur einige der Faktoren, die das Lernen zuhause beeinflussen.

Wie erlebten sie die Zeit zuhause, ohne direkten Kontakt mit Mitschülern oder Lehrern?

Einige Jugendliche teilten ihre Erfahrungen mit uns.
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Lukas

Berufsschüler

Linda

Schülerin an einer HAK

Ufuk

Schüler an einem Gymnasium

Mia

Schülerin an einem Gymnasium

Yasmin

Schülerin an einem Gymnasium

Anna

Schülerin an einer NMS

Klara

Schülerin an einer HLW

Luis

Schüler einer Werkraumschule

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Die Zukunft

„Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst wieder in Schulen und Universitäten einen gewohnten Alltag haben“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober kürzlich in einem Interview. Aber was, wenn es im Herbst erneut zu einem großen Anstieg an Corona-Infektionen und zu einer zweiten Welle kommt?
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Gerade Schulen sieht der renommierte deutsche Virologe Christian Drosten als besonders große Gefahr für eine zweite Infektionswelle. Gibt es konkrete Pläne für den Bildungsbereich? Würde man die Schulen erneut wochenlang schließen?
In Hamburg hat diese Unsicherheit kürzlich zu Demonstrationen geführt: Eltern sind mit ihren Kindern auf die Straße gegangen, um gezielte Pläne für eine mögliche zweite Welle einzufordern. Im Bildungsministerium in Österreich hält man sich diesbezüglich noch bedeckt. Laut Minister Heinz Faßmann müsse man im Schulbetrieb aber auf einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen reagieren.
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Geschlossene Schultore und Hunderttausende Kinder und Jugendliche zu Hause vor den Bildschirmen – das scheint also auch im Herbst möglich.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind sich großteils einig, dass sie im Falle einer zweiten Schulschließung besser zurechtkommen würden als beim ersten Mal. Die technischen und sozialen Herausforderungen blieben aber immer noch dieselben:
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Auch wenn sich Lehrerinnen und Lehrer im Falle einer zweiten Infektionswelle besser auf das einstellen können, was auf sie zukommt, bedeutet das nicht, dass beim Distance Learning alles reibungslos ablaufen würde. Denn Pädagoginnen und Pädagogen, die digital nicht geschult sind und denen es beim Gedanken an Unterricht über Skype graut, werden wohl auch bis zum Herbst zu keinen Informatik-Profis. Und Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien, die keinen Computer zur Verfügung haben, haben im Herbst wohl immer noch keinen. Von der digitalen Schule sind wir in Österreich also noch weit entfernt.
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Auch im Bildungsministerium sieht man noch großes Potential im Einsatz von digitalen Technologien im Unterricht. Die Regierung hat daher Mitte Juni einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung angekündigt. Ab dem nächsten Jahr will man etwa alle Schülerinnen und Schüler der fünften Schulstufe mit Laptops oder Tablets ausstatten. Auch in die Fortbildung von Lehrenden soll investiert werden. Diese Maßnahmen waren zwar schon lange vor Corona angedacht, die Krise hat aber gezeigt, wie dringend das österreichische Bildungssystem sie benötigt. Die Corona-Krise scheint den Schritt in Richtung eines zeitgemäßen Schulsystems also beschleunigt zu haben. Es wird sich aber erst in Zukunft zeigen, inwiefern die Digitalisierungsreform auch wirklich im Schulalltag in Österreich ankommt.    
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Credits

Digitale Schule nach Corona:
Was sich ändern muss

Gestaltung und Umsetzung:
Pia Lenz
Florian Koch
Tobias Hollerer
Catherina May

Journalismus & Neue Medien
FH Wien der WKW
Sommersemester 2020

Betreuung:
Regula Blocher, Alexander Epp,
Matthias Eberl


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